Welche Aktien kaufen: Warum du deine Investments streuen sollst

Basis
Diversifikation: Warum es für die meisten Anleger:innen sinnvoll ist, nicht alle Eier in einen Korb zu legen, sondern ihre Kapitalanlagen über Länder- und Branchengrenzen hinweg zu streuen. Welche Aktien Anleger:innen kaufen sollten. Von Jens Castner

Wer gerade seine erste Aktie kauft, muss sich nicht unbedingt mit dem beschäftigen, was Profis als Diversifikation, Diversifizierung oder Risikostreuung bezeichnen. Doch schon bei der zweiten Aktie lohnt es, darauf zu achten, dass sie nicht den identischen Risiken ausgesetzt ist wie die erste. Sonst hat das Depot schon die erste strukturelle Schwäche. In diesem Zusammenhang wird gern der Mark-Twain-Spruch „Lege nicht alle Eier in einen Korb“ zitiert. Dieser wird zwar falsch wiedergegeben, da er nur teilweise zitiert wird; jedoch ist die Aussage für Privatanleger:innen richtig.

Es reicht eben nicht, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob Apple oder Microsoft die bessere Techaktie ist. Auch die richtige Depotstruktur gehört zu einem erfolgreichen Anlageplan. Doch bei Seminaren und ähnlichen Veranstaltungen zücke kaum jemand den Stift, wenn es um das Thema Komplexität im Depot gehe, sagt Andreas Grünewald, Vorsitzender des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter (VuV).

Slide Der einzelne Aktientipp ist sicher spannender und vor allem greifbarer als hochwissenschaftliche Portfoliotheorien. Das Ergebnis sind jedoch oft zufällig zusammengewürfelte Depots aus einzelnen, nicht zwangsläufig schlechten Anlageempfehlungen, die in ihrer Gesamtheit zu Klumpenrisiken führen und einem Stresstest nicht standhalten.“ Andreas Grünewald, Vorsitzender des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter

Ein nicht zu unterschätzendes Klumpenrisiko ist die oft zu beobachtende Konzentration auf den Heimatmarkt. So verpassen Anleger:innen etwa die Chancen, die wachstumsstarke Schwellenländer bieten.

Länder und Regionen

Ob „buy american“ oder „deutsche Wertarbeit“: Beim Konsumverhalten kann man einheimische Produkte bevorzugen, um das Bruttoinlandsprodukt des eigenen Landes zu steigern. Bei der Wertpapierauswahl sollte man darauf tunlichst verzichten.

Die Konzentration auf den Heimatmarkt – Fachausdruck „home bias“ – ist verständlich, schon allein, weil man aus deutschen Medien viel mehr über die DAX-Konzerne erfährt als über deren Konkurrenten aus exotischen Schwellenländern.

Gerade in einer globalisierten Welt sollte man jedoch nicht unterschätzen, dass die Konkurrenz nie schläft. Die asiatischen Autohersteller haben ihre deutschen Wettbewerber in Sachen E-Mobilität rechts überholt, die bedeutendsten Technologiekonzerne der Erde sitzen ausnahmslos in den USA. Schon aus diesem Grund sollten Anleger:innen zumindest auf eine ausgewogene Mischung zwischen europäischen und amerikanischen Aktien achten, wie es BÖRSE ONLINE etwa im Basisdepot tut.

Verlinkung zu BO.de BASISDEPOT

Branchen und Sektoren

Fast noch wichtiger als die regionale Risikostreuung ist ein ausgewogener Branchenmix. Wenn du selbst in einer bestimmten Industrie tätig bist und tiefergehende Einblicke hast, spricht nichts dagegen, viele Eier in diesen Korb zu legen. Doch wenn es in einem Sektor bergab geht, trifft es meist alle Aktien, deshalb solltest du dann auch in der Lage sein, Branchenkrisen schneller zu erkennen als andere.

Das Gros der Privatanleger:innen fährt daher mit Diversifikation besser. Für Lufthansa-Aktionär:innen kann es hilfreich sein, einen Ölwert wie Royal Dutch Shell ins Depot zu nehmen. Wenn steigende Treibstoffkosten den Lufthansa-Kurs belasten, sollte das im Gegenzug der Ölindustrie Auftrieb geben. Da beide Aktien konjunkturabhängig sind, sollten dem Depot zumindest noch zwei weitere Werte hinzugefügt werden, die weniger sensibel auf das Weltwirtschaftsklima reagieren, etwa Alphabet oder Beiersdorf.

Standard- und Nebenwerte

Eine ausgewogene Mischung aus großen, mittleren und kleinen Unternehmen kann ein zusätzlicher Stabilitätsfaktor im Depot sein. Denn je größer ein Konzern ist, desto internationaler das Geschäft – und damit die Abhängigkeit von der Weltkonjunktur. Kleinere Unternehmen vertreiben ihre Produkte hingegen oft eher regional.

Für einen bayerischen Bierproduzenten wie BHB Brauholding ist gutes Biergartenwetter in Süddeutschland mit Sicherheit wichtiger als die neuesten Konjunkturdaten aus den USA und China, die wiederum die Kurse von DAX-Werten wie BASF und Volkswagen maßgeblich beeinflussen. Allerdings geraten die Aktien kleinerer Firmen bei Turbulenzen meist stärker unter Druck, weil wegen des geringen Handelsvolumens schon der Ausstieg einzelner Großaktionäre erhebliche Kurseinbrüche auslösen kann.

In guten Börsenzeiten laufen sie dafür meist besser. Im Basisdepot von BÖRSE ONLINE wird der Anteil an kleineren Unternehmen – sogenannten Small Caps – über die Beteiligungsgesellschaften Shareholder Value und BB Biotech abgedeckt.

Doch alle Eier in einen Korb?

Den Gegenentwurf zum Credo der Diversifikation liefert der Zitatgeber selbst. Denn im Original lautet der Spruch von Mark Twain:

Slide Der Narr spricht: Lege nicht alle Eier in einen Korb. Der weise Mann spricht: Lege alle Eier in einen Korb und gib gut auf diesen Korb acht." Mark Twain, Autor

Der weise Mann der Börse heißt Warren Buffett und sieht es genauso. Zumindest in den Anfangsjahren konzentrierte er sich auf wenige Branchen, vor allem auf solche, die Endverbrauchergeschäft haben und deren Produkte immer wieder nachgekauft werden müssen.

Klassisches Beispiel: Coca-Cola. Buffett ist der lebende Beweis, dass man es ohne Diversifizierung zum Milliardär bringen kann. Allerdings hat auch er mit zunehmendem Alter immer stärker diversifiziert. Und: „Gut auf den Korb aufzupassen“ bedeutet, sich täglich intensiv mit seinen Kapitalanlagen zu beschäftigen. Berufstätigen fehlt dazu oft die Zeit.

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2021-11-10T11:02:30+01:00
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