Von Kurs bis Rendite: Alle Begriffe zu Anleihen

Basis
Wer gewinnbringend anlegen will, kann das mit Anleihen tun. Derzeit sind aber auch die mickrig verzinst. Lies hier, was du wissen solltest. Von Sonja Funke

Was machst du, wenn du Geld brauchst? In der Regel gehst du als Privatperson zu einer Bank und nimmst einen Kredit auf. Das Geldinstitut prüft deine Bonität, also deine Fähigkeit, die aufgenommenen Schulden zurückzuzahlen, und legt die Bedingungen für den Kredit fest. Anders als Privatpersonen haben Unternehmen, Banken und die öffentliche Hand (also Staaten, Städte und Bundesländer) noch eine weitere Möglichkeit, sich Geld zu beschaffen: Sie können auf dem Kapitalmarkt eine Anleihe ausgeben. Im Fachjargon heißt das begeben oder emittieren. Diese Wertpapiere nennt man auch Rentenpapiere, der englische Begriff lautet Bond.

Wer eine Anleihe kauft, leiht dem Emittenten, dem Herausgeber/der Herausgeberin der Anleihe, für eine bestimmte Zeit Geld. Als Käufer:in wirst du so zum Gläubiger oder zur Gläubigerin des Emittenten. Für das geliehene Geld erhältst du jedes Jahr einen festgelegten Zins. Wie hoch der ist, besagt der Kupon. Am Ende der Laufzeit gibt es den Nennwert der Anleihe zurück. Je höher dessen Finanzkraft und je kürzer die Laufzeit, desto niedriger ist der Zins. Bleibt der Zins über den gesamten Anlagezeitraum konstant, spricht man von einer festverzinslichen Anleihe. Es gibt auch variabel verzinste Anleihen. Deren Zins wird meist jährlich, manchmal auch halb- oder vierteljährlich gezahlt.

Begriffe im Überblick

Kauf: Privatanleger:innen können Anleihen meist nicht bei Emission zeichnen. Sie müssen diese an der Börse kaufen. Börse und Hausbank kassieren dafür Gebühren. Beim Kauf sollten Anleger:innen ein Limit setzen, um nicht höhere Kurse und niedrigere Renditen zu akzeptieren als gewollt.

Kurs: Anders als Aktien, die in Euro notieren, wird der Kurs von Anleihen normalerweise in Prozent des Nennwerts angegeben. Wer zu 90 Prozent eine Anleihe mit Nennwert von 1000 Euro kauft, zahlt 900 Euro. Am Laufzeitende bekommt er vom Anleiheemittenten 1000 Euro zurück.

Stückzins: Den Anleihezins gibt es in der Regel einmal im Jahr. Wer das Papier vor diesem Termin verkauft, verzichtet aber nicht auf den Zins: Käufer:innen zahlen Verkäufer:innen den aufgelaufenen Zins taggenau als sogenannten Stückzins. Beim Kauf sind zu zahlen: Prozentsatz des Nennwerts plus Stückzinsen.

Steuer: Von Zins und Kursgewinn gehen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Soli plus eventuell Kirchensteuer ab. Beim Zinstermin wird auf den ganzen Betrag die Steuer fällig. Gezahlte Stückzinsen senken die Kapitalerträge.

Risiko: Während der Laufzeit muss der Emittent über genügend Kapital verfügen, um die Zinsen zu zahlen, bei Fälligkeit über ausreichende Solvenz, um den Nominalbetrag zurückzuzahlen. Bei einer Pleite teilen sich Anleihebesitzer:in mit anderen Gläubigern das, was noch zu holen ist. Oft verlieren sie den Großteil. Einen Einlagenschutz wie bei Festgeld gibt es nicht.

Rendite: Verteilt man die Kursänderung auf die Jahre von Kauf bis Fälligkeit und zählt den Zins dazu, ergibt sich die jährliche Rendite der Anleihe. Je niedriger der Kurs, desto höher die jährliche Rendite. Je höher der Kurs, desto niedriger die Rendite. Aktueller Kurs und aktuelle Rendite einer Anleihe entwickeln sich also spiegelbildlich.

Welche Anleihen es gibt: Mit Bonds auf Renditejagd

Anleihen, die von Staaten wie der Bundesrepublik Deutschland ausgegeben werden, sind sogenannte Staatsanleihen. Ihre Laufzeiten reichen von einigen Wochen bis zu mehr als 30 Jahren. Vor allem institutionelle Anleger wie Banken, Versicherungen und Pensionsfonds kaufen regelmäßig Staatsanleihen. Staatsanleihen finanzstarker Länder zählen zu den sichersten Anleiheformen überhaupt. Inflationsindexierte Anleihen sind eine besondere Form der Staatsanleihe, bei der sich Zinszahlung und Tilgung nach der Inflationsrate des emittierenden Staats richten.

Auch viele Firmen geben Anleihen aus, um sich Geld zu beschaffen: die Unternehmensanleihen. Die erwartbare Rendite hängt von der Laufzeit der Anleihe und der Bonität des Unternehmens ab. Je geringer dessen Finanzkraft und je länger die Laufzeit, je riskanter die Anleihe also ist, desto mehr Zins muss der Emittent bei der Ausgabe bieten. Bei nachrangigen Anleihen erhalten Inhaber:innen dieser Papiere bei einer Insolvenz des Emittenten ihr Geld erst nach allen anderen Gläubigern zurück. Sie gehen also ein zusätzliches Risiko ein — dafür bekommen sie höhere Zinsen.

Riskantere Formen von Anleihen: Hochzinsanleihen und Wandelanleihen

Eine noch riskantere Form von Staats- und Unternehmensanleihen sind die Hochzinsanleihen. Länder und Unternehmen, die diese Form der Anleihe emittieren, verfügen über eine vergleichsweise geringe Bonität. Als Hochzinsanleihen gelten grundsätzlich alle Anleihen, die von Ratingagenturen mit der Note „BB“ oder schlechter bewertet werden. Man spricht in diesem Fall auch von Ramschanleihen, Junkbonds oder High Yields. Hochzinsanleihen bieten höhere Renditen als Papiere von Herausgebern mit besserer Kreditwürdigkeit, bergen aber auch ein höheres Risiko.

Bei sogenannten Wandelanleihen handelt es sich um eine Mischung aus Anleihe und Aktie. Die Anleihe kann zu einem bestimmten Kurs in Aktien gewandelt, also getauscht werden. An diese komplexen Finanzmarktprodukte sollten sich aber nur Anleger:innen mit entsprechender Expertise wagen. Für Anfänger:innen sind sie nur bedingt geeignet.

Im Gegensatz dazu versprechen Pfandbriefe zusätzliche Sicherheit: Sie sind bei Insolvenz des Emittenten mit Vermögenswerten besichert. Das Mehr an Sicherheit kostet Rendite: Sie ist bei Pfandbriefen oft niedriger als bei normalen Anleihen.

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2021-11-17T13:51:30+01:00
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