Unternehmensanleihen: Kapitalgeber der Konzerne

Basis
Häufig geben Unternehmen Anleihen aus, um sich zu finanzieren. Was du zu Rendite, Laufzeit und Zins wissen musst, wenn du Firmen Geld leihst. Von Sonja Funke

Wer vom Erfolg großer Unternehmen wie BASF, Daimler oder SAP profitieren will, denkt oft zuerst an die Aktien dieser Konzerne. Doch auch mit festverzinslichen Wertpapieren kannst du mitverdienen: Mit Unternehmensanleihen leihst du als Gläubiger:in einer Firma Geld, lässt dir dieses nach einer vereinbarten Laufzeit in voller Höhe zurückzahlen und kassierst in der Zwischenzeit Zinsen.

Firmen, die als Emittenten eine Anleihe herausgeben, nutzen dieses Finanzierungsinstrument häufig für Investitionen oder Zukäufe, oft werden aber auch nur Verbindlichkeiten umgeschuldet.

Es gibt sichere, aber auch sehr riskante Varianten. Die Rendite, die Käufer:innen einer Anleihe erzielen, hängt stark von der Bonität des Unternehmens ab.

Kaufst du als Anleger:in so eine Anleihe, gehst du das sogenannte Emittentenrisiko ein: Geht das Unternehmen pleite, ist dein Kapital ganz oder zumindest teilweise verloren. Für die Bereitschaft, dieses Risiko einzugehen, erhalten Anleger höhere Renditen als bei sicheren Geldanlagen ohne Emittentenrisiko (wie Tages- oder Festgeld).

Was du wissen solltest: Je höher der Zins, desto höher das Risiko

Allgemein gilt: je höher das Risiko, desto größer der mögliche Gewinn. Das bedeutet: je zahlungsschwächer der Emittent, desto höher die mögliche Rendite. Du solltest also nicht nur auf die Höhe der Zinsen schauen, sondern auch abwägen, wie wahrscheinlich es ist, dass du am Ende der Laufzeit neben den Zinsen auch dein angelegtes Kapital zurückbekommst. Für mutige Investor:innen bieten Unternehmensanleihen attraktive Zinsen. In der Vergangenheit kam es häufig vor, dass Emittenten von Unternehmensanleihen, die dem sogenannten grauen Kapitalmarkt zuzuordnen sind, insolvent wurden und Anleger:innen ihr gesamtes Kapital verloren.

Leitzins: Spielball der Notenbank

Großen Einfluss haben die Notenbanken: Heben sie den Leitzins an, steigen die Zinsen auch am Markt. Alle in Umlauf befindlichen Anleihen mit festem Zins verlieren dann an Wert, die Kurse sinken. Für Anleger:innen, die eine Anleihe bis zum Laufzeitende halten, ist das Kursrisiko zu vernachlässigen: Sie erhalten ihr Kapital zu 100 Prozent zurück – vorausgesetzt, der/die Emittent:in ist während der Laufzeit nicht in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Andersherum gilt: Senkt die Notenbank den Leitzins – und damit auch den Marktzins –, steigen die Kurse der bereits emittierten Anleihen, da sie noch höher verzinst sind.

Das solltest du bedenken

Slide Vergiss nicht: Steigt die Rendite, steigt auch das Risiko. Je höher der Zins, desto zahlungsschwächer der Emittent einer Anleihe Schau nicht nur auf die Höhe der Zinsen, sondern wäge auch ab, wie wahrscheinlich es ist, dass du am Ende der Laufzeit dein eingesetztes Kapital zurückerhalten wirst Für mutige Investor:innen bieten Unternehmensanleihen attraktive Zinsen

Der Weg zum richtigen Produkt

Privatleute können die meisten Anleihen nicht bei der Emission zeichnen, sie müssen über die Börse kaufen. Dort können sie die Anleihen auch vor dem Laufzeitende wieder verkaufen. Im Vergleich zu Aktien, deren Kurs in Euro angegeben wird, gibt es einen wichtigen Unterschied: Anleihen notieren in Prozent des Nennwerts. Wer eine Anleihe mit Nennwert 1000 Euro zum Kurs von 90 Prozent kauft, zahlt dem/der Verkäufer:in 900 Euro. Bei Fälligkeit gibt es dann 1000 Euro vom Emittenten zurück. Gegen Laufzeitende tendiert der Kurs daher in Richtung von 100 Prozent — wenn es keine Zweifel an der Tilgung gibt.

Weil die Zahlungen, mit denen Anleger:innen rechnen können, beim Kauf feststehen, lässt sich die mit einer Anleihe zu erwartende jährliche Rendite ermitteln. Im Beispiel liegt der Kursgewinn bei 100 Euro, den man rechnerisch auf die Jahre von Kauf bis Fälligkeit verteilt. Zählt man den jährlichen Zins hinzu, ergibt sich die bei diesem Kaufpreis zu diesem Zeitpunkt zu erwartende jährliche Rendite. Je niedriger der Kurs, desto höher ist die mögliche Rendite. Je höher der Kaufkurs, desto niedriger ist die Rendite. Das erklärt auch einen Grundsatz, der mitunter für Verwirrung sorgt: Aktueller Kurs und Rendite einer Anleihe entwickeln sich stets spiegelbildlich.

Mit Fonds in Unternehmensanleihen investieren

Über Fonds können Anleger:innen auch in Papiere mit hoher Mindestsumme investieren. Denn viele haben einen Nennwert von 100.000 Euro. Einen so hohen Betrag in nur eine Anleihe zu stecken, kommt für die meisten Privatleute kaum infrage. Den Zins gibt es meist einmal im Jahr. Wer eine Anleihe vor dem Zinstermin verkauft, verzichtet aber nicht darauf. Der/die Käufer:in zahlt dem Verkäufer oder der Verkäuferin taggenau den aufgelaufenen Zins als Stückzinsen, Börsen und Banken verrechnen dies automatisch. Die Summe, die Anleger:innen beim Anleihekauf zahlen, hat somit zwei Bestandteile: Kaufpreis und Stückzinsen.

Ein konkretes Beispiel: Die SAP-Anleihe, die noch bis Februar 2027 läuft (Wertpapierkennnummer, kurz WKN: A13SL3), hat einen Kupon von 1,750 Prozent. Bei einem Verkaufskurs von 108,66 Prozent ergibt sich daraus eine jährliche Rendite von rund 0,62 Prozent.

Slide Von Anleihen, die nicht börsennotiert sind, solltest du die Finger lassen. Eine umfangreiche Übersicht zu liquiden Unternehmensanleihen findest du im Internet etwa unter www.boerse-online.de, www.boerse-stuttgart.de oder www.boerse-frankfurt.de/anleihen.

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2021-11-15T15:44:46+01:00
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