Steuern bei Fonds und ETFs: Die sprichwörtliche Steuerlast

Fortgeschritten
Die Besteuerung von Fonds und ETFs ist deutlich komplizierter, als das etwa bei Aktien der Fall ist. Von Stefan Rullkötter

Seit das Investmentsteuerreformgesetz 2018 in Kraft getreten ist, werden ETFs und Fonds einheitlich besteuert. Das soll die Steuererklärung einfacher machen, sorgt aber auch für Probleme. Das Wichtigste:

Steuern auf Anleger:innen-Ebene

Auf Kursgewinne und Ausschüttungen von Investmentfonds müssen Anleger:innen grundsätzlich 25 Prozent Abgeltungsteuer zahlen. Hinzu kommen 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer — je nach Bundesland acht oder neun Prozent. Daraus errechnet sich für Fondserträge eine Gesamtsteuerbelastung von maximal 27,99 Prozent. Depotbanken fungieren hier als Zahlstelle des Fiskus und führen alle Abgaben auf Kapitalerträge an die zuständigen Finanzämter ab.

Steuern auf Fondsebene

Bei Investmentfonds werden seit 2018 auf Fondsebene 15 Prozent Körperschaftsteuer abgezogen, wenn sie deutsche Dividenden kassieren. Bei Erträgen aus deutschen Immobilien sind es 15,875 Prozent.

Freistellungsaufträge

Bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags (801 Euro für Alleinstehende, 1602 Euro für Zusammenveranlagte) können Fondserträge per Freistellungsauftrag von der Abgeltungsteuer befreit werden. Dieser ist auf mehrere Institute aufteilbar, aber nur mit der Steueridentifikationsnummer gültig.

Teilfreistellungen I

Um die Besteuerung auf Fondsebene auszugleichen, werden Ausschüttungen und Verkaufsgewinne auf Anlegerebene teilweise freigestellt. Bei reinen Aktienfonds und Mischfonds, die mindestens 51 Prozent in Aktien anlegen, sind 30 Prozent der Ausschüttungen steuerfrei. Bei Mischfonds mit wenigstens 25 Prozent Aktienanteil sind es 15 Prozent. Bei Immobilienfonds zahlen Anleger:innen auf 60 Prozent der Erträge keine Abgeltungsteuer. Liegt der Anlageschwerpunkt im Ausland, werden 80 Prozent freigestellt.

Teilfreistellungen II

Der Bonus der Teilfreistellung bei realisierten Kursgewinnen wird zum Malus, wenn Investmentfonds mit Verlust veräußert werden. Bei allen Miesen, die seit 2018 realisiert werden, sind auch die steuerlich anrechenbaren Verlustbeträge für Anleger:innen parallel um 30 Prozent reduziert.

Auslandsfonds

Wer thesaurierende Auslandsfonds besitzt, die Dividenden und Zinsen nicht ausschütten, sondern im Fondsvermögen anlegen, muss die Daten nicht mehr händisch in die Steuererklärung (Anlage KAP) einfügen: Die deutsche Abgeltungsteuer wird seit dem Jahr 2018 auch auf Erträge thesaurierender Auslandsfonds abgeführt.

Altfondsanteile

Der rechtliche Bestandsschutz für alle vor 2009 gekauften Fonds wurde mit der Reform aufgehoben. Nur Gewinne aus Altfonds, die bis zum 31. Dezember 2017 realisiert wurden oder als Buchgewinne bis zu diesem Stichtag aufgelaufen sind, bleiben in jedem Fall steuerfrei.

Fondssparpläne I

Sparpläne werden steuerlich nicht als ein einheitliches Geschäft behandelt, sondern jede investierte Sparrate als einzelner Kauf. Wer Fondsanteile, die bereits vor Einführung der Abgeltungsteuer 2009 erworben wurden, verkauft, streicht Kursgewinne, die bis zum 31.12.2017 aufgelaufen sind, noch steuerfrei ein. Für alle nach diesem Stichtag neu entstandenen und entstehenden Kursgewinne dieser Anteile gilt ein Steuerfreibetrag von 100.000 Euro. Die laufenden Erträge, etwa Dividenden oder Zinsen, müssen Fondssparer:innen jährlich versteuern — unabhängig davon, wann sie die Anteile erworben haben.

Fondssparpläne II

Beim Verkauf von Fondsanteilen gilt die Fifo-Methode („First in, first out“). Bei Teilverkäufen gelten zunächst die zu Beginn des Sparplans gekauften Anteile als verkauft.

Vorabpauschale

Zu Jahresbeginn können Anleger:innen von Investmentfonds, die im Vorjahr keine oder kaum Erträge ausgeschüttet haben, besteuert werden. Die sogenannte Vorabpauschale ist ein fiktiver Mindestbetrag, der als Bemessungsgrundlage für die Kapitalertragsteuer von der Finanzverwaltung jährlich neu festgelegt wird. Die Höhe der Vorabpauschale errechnet sich aus dem Wert des Fondsanteils zu Jahresbeginn, multipliziert mit 70 Prozent des Basiszinses. Der Basiszins wird aus der langfristig erzielbaren Rendite öffentlicher Anleihen abgeleitet. Die Deutsche Bundesbank hat hierfür zum Stichtag 4. Januar 2021 anhand der Zinsstrukturdaten einen Wert von -0,45 Prozent für Bundeswertpapiere mit jährlicher Kuponzahlung und einer Restlaufzeit von 15 Jahren errechnet. Damit entfällt  im laufenden Jahr die Vorabpauschale für thesaurierende Fonds – und voraussichtlich auch im kommenden Jahr.

Die Abgabe fällt  zudem nur an, wenn der Fonds eine positive Wertentwicklung hatte. Bei späterem Verkauf verrechnen Banken die Vorabpauschalen automatisch mit dem tatsächlichen Veräußerungsgewinn.

Slide Informationen zur Besteuerung finden Anleger:innen auch unter:
www.bundesfinanzministerium.de, www.finanztip.de/abgeltungsteuer, www.vlh.de/kaufen-investieren, www.bzst.de/DE/Privatpersonen

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2021-11-29T14:16:53+01:00
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