Überblick: So funktionieren Fonds

Basis
Ein Rückblick sowie ein Überblick über die beliebte Anlageklasse „Investmentfonds“. Von Bianca Krämer

Bevor wir mit den technischen Details und der Funktionsweise von Fonds beginnen, möchten wir ein wenig ausholen und zu den Anfängen der Investmentfonds zurückgehen. Die Idee des gemeinsamen Investierens entstand bereits vor langer Zeit. Experten gingen lang davon aus, dass die „West Cornwall Mines Investment Company“ im Jahr 1836 den weltweit ersten Investmentfonds aufgelegt hatte. Mittlerweile weiß man aber, dass der niederländische Kaufmann Abraham van Ketwich diese Idee bereits viel früher hatte. Im 18. Jahrhundert — genauer gesagt im Jahr 1774. Mit dem „Eendragt Maakt Magt“ („Eintracht macht stark“) setzte er die Idee eines Fonds erfolgreich um.

Van Ketwich investierte das Kapital seiner Anleger:innen in Anleihen aus Europa, den niederländischen Kolonien sowie Mittel- und Südamerika. Etwa 2000 Fondsanteile wurden verkauft. Mit diesem Produkt hatten auch „einfache Leute“ die Möglichkeit, Geld an der Börse anzulegen, auch wenn sie über keine große Börsenerfahrung verfügten. Bis man den ersten Fonds in Deutschland kaufen konnte, sollten noch 176 Jahre vergehen. Als offiziell erster in Deutschland aufgelegter Fonds gilt der Fondak („Fonds für deutsche Aktien“). Er wurde 1950, nach dem Zweiten Weltkrieg, ins Leben gerufen. Mittlerweile von der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI) verwaltet, ist er auch heute noch handelbar (siehe Kasten).

Fonds-Urgesteine: Die fünf ältesten Fonds Deutschlands

Auf Platz 1 liegt der Fondak A (WKN: 847 101). Der Concentra A (WKN: 847 500) schafft es auf Platz 2. Ganz knapp dahinter kommt der Unifonds EUR (WKN: 849 100). Auf Platz 4 liegt der Dekafonds (WKN: 847 450), und den Platz 5 erreicht der DWS Investa (WKN: 847 400).

Schwieriger Start

Den ältesten Fonds der Welt, der heute noch aktiv ist, legte die US-Gesellschaft Pioneer Investments im Jahr 1928 auf. Der Pioneer Fund (WKN: 970 360) startete unmittelbar vor dem Beginn der Weltwirtschaftskrise. Die Performance ist fulminant. Hätte man beim Start des Fonds 1000 Dollar investiert, wären daraus bis heute über 26,7 Millionen Dollar geworden. Inklusive Dividenden entspricht das im Schnitt einer jährlichen Rendite von 11,7 Prozent.

So funktionieren Fonds

Die Funktionsweise von Fonds ist heute noch die gleiche. Fonds sind Anlageprodukte, bei denen viele verschiedene Investor:innen Geld bei einer Kapitalanlagegesellschaft (KAG), auch Fondsgesellschaft genannt, einzahlen. Man kann sich das vorstellen wie einen großen Geldtopf: Ziel ist das gemeinschaftliche Anlegen und Risikostreuung das Schlagwort. Denn das Kapital wird nicht nur in eine Aktie oder in eine Anleihe investiert, sondern in viele verschiedene Papiere.

Ein/eine Fondsmanager:in bedient sich aus diesem Geldtopf und investiert das Kapital der Anleger:innen nach genau definierten Vorgaben am Kapitalmarkt. Daher spricht man von aktivem Management. Anders als bei ETFs, die passiv einen Index nachbilden, entscheidet hier ein/eine Fondsmanager:in, welche Wertpapiere ge- und verkauft werden. Diese aktive Steuerung müssen Anleger:innen natürlich in Form von Gebühren bezahlen. Dazu zählen der Ausgabeaufschlag (Agio), laufende jährliche Kosten für die Verwaltung (Total Expense Ratio) und eventuell eine erfolgsabhängige Gebühr (Performance Fee).

Offene und geschlossene Fonds

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen offenen und geschlossenen Fonds. Die im Folgenden beschriebenen Merkmale beziehen sich vor allem auf offene Investmentfonds. Diese können Anleger:innen in der Regel jederzeit wieder verkaufen. Bei geschlossenen Fonds, auch Beteiligungen genannt, verhält sich das anders. Auf die Besonderheiten von geschlossenen Fonds werden wir deswegen in einem separaten Kapitel eingehen.

Bei den öffentlich zum Vertrieb zugelassenen Publikumsfonds handelt es sich rechtlich gesehen um ein „Sondervermögen“. Das bedeutet: Die Einlagen der Fondsanleger:innen werden vom Vermögen der Kapitalanlagegesellschaft getrennt aufbewahrt — bei einer unabhängigen Depotbank — und sind dadurch im Fall einer Insolvenz der KAG vor dem Zugriff der Gläubiger:innen geschützt. Dadurch entfällt für den/die Anleger:in das Risiko für den Fall einer Pleite der Kapitalanlagegesellschaft. Kauft ein/eine Anleger:in Fondsanteile, wird er/sie quasi zum/zur Mitbesitzer:in dieses Sondervermögens. Laufende Zu- oder Abflüsse beim Fondsvermögen wirken sich wertneutral auf den einzelnen Anteil aus. Erhöht sich hingegen der Wert des Sondervermögens — zum Beispiel durch einen Kursanstieg der im Fonds enthaltenen Wertpapiere, erhöht sich dadurch auch der Anteilswert.

Die größten in Europa tätigen Fondsgesellschaften sind Allianz Global Investors, Columbia Threadneedle, Fidelity, Henderson, Invesco, Jupiter, Schroders und Vanguard.

Wichtiger Punkt Sicherheit

Anlegerschutz wird bei Fondsinvestments großgeschrieben, weil für die meisten Anleger:innen die Sicherheit ihres Kapitals ein ganz wichtiger Faktor ist. Zugelassene Fonds unterliegen sehr strengen gesetzlichen Vorgaben und Dokumentationspflichten. Die fondsspezifischen Anlagegrundsätze werden in den Verkaufsprospekten, die jeder Fonds haben muss, detailliert beschrieben. Darüber hinaus sollten Fondsgesellschaften ihre Anleger:innen in (Halb-)Jahresberichten umfänglich über die getätigten Transaktionen sowie die Entwicklung und Aufteilung des Fondsvermögens informieren.

Viele verschiedene Gattungen

Es gibt zudem viele unterschiedliche Fondsarten: Aktienfonds, Mischfonds, Rentenfonds, Hedgefonds, Immobilienfonds, Nachhaltigkeitsfonds und einige mehr.

Slide Gute Internetseiten für die Fondssuche und den Fondsvergleich:

www.morningstar.de

www.comdirect.de

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2021-11-10T11:46:35+01:00
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