Geschlossene Fonds: Eine Frage der Zeit

Basis
Geschlossene Fonds investieren vom Prinzip her ähnlich wie Offene. Und dennoch sind sie komplett anders. Das Konzept, die Vor- und Nachteile. Von Bianca Krämer

Man unterscheidet am Kapitalmarkt zwischen Offenen und Geschlossenen Fonds. Einer der Hauptunterschiede besteht darin, dass Anleger:innen ihre Anteile an einem Offenen Fonds jederzeit beim Anbieter oder über die Börse kaufen und verkaufen können. Bei Geschlossenen Fonds ist das nicht der Fall. Man ist in der Regel sehr lange an dieses Investment gebunden. Schon aus diesem Grund sind Geschlossene Fonds nicht für jeden Anlegertyp geeignet. Die Fondslaufzeit kann je nach Segment und Konzeption zwischen vier und 30 Jahren betragen.

Wegen mangelhafter Transparenz und einigen Betrugsfällen hat das Image von Geschlossenen Fonds in den vergangenen Jahren gelitten. Vom Grundsatz her ist diese Anlageform eine nicht börsenabhängige, unternehmerische Beteiligung — inklusive des unternehmerischen Risikos. Insolvenz und Totalverlust sind möglich. Zudem sind die Mindestanlagesummen relativ hoch. 2500 Euro sind eher die Ausnahme, 25.000 Euro durchaus handelsüblich. Die Beteiligungen sind jedoch vielfältig und reichen von klassischen Sachwerten wie Immobilien, Schiffen, Flugzeugen oder auch Containern (in den Kästen unten erklärt) über Anlagen für regenerative Energien wie Windkraft- oder Photovoltaikprojekte. Auch in Wald- oder Filmfonds kann investiert werden.

Für diese Art der Kapitalanlage ist die Rechtsform Kommanditgesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH & Co. KG) vorgeschrieben. Man wird mit seiner Anlagesumme zum Kommanditisten. Das eingebrachte Kapital stellt für den Fonds Eigenkapital dar. Ist die geplante Summe erreicht, wird der Fonds geschlossen — es können keine weiteren Anleger:innen einsteigen.

Investoren sind für die im Prospekt vorgesehene Laufzeit an die Beteiligung gebunden. Anteile, die man vorher abstoßen möchte, können nur über den sogenannten Zweitmarkt veräußert werden. Das heißt, man muss außerhalb der Börse einen Käufer finden, was in der Regel nicht so einfach ist. Alle wichtigen Informationen wie die Höhe der zu erwartenden Auszahlungen, die Mindestzeichnungssumme, Angaben zum konkreten Investitionsobjekt, zum Standort sowie zu Chancen und Risiken der Beteiligung sind im Emissionsprospekt angegeben. Diesen sollten Anleger:innen vor einem Investment sehr genau studieren.

Geschlossene Fonds – die bekanntesten Arten

Immobilienfonds: Betongold oder Kapitalgrab

Geschlossene Immobilienfonds bündeln das Geld der Anleger:innen und investieren es in Wohnungen, Bürogebäude, Einkaufszentren oder Lagerhallen. Bevor Sie sich für die Investition in einen Geschlossenen Immobilienfonds entscheiden, sollten Sie sich sehr genau darüber informieren, in welche Projekte das Geld fließt, wie Kauf und Verkauf von Fondsanteilen vonstattengehen, wie sich das Kündigungsrecht gestaltet, welche Risiken bestehen und wie die Renditen ausfallen. Zudem sollten Anleger:innen immer genau abwägen, ob die Rendite wirklich das erhöhte Risiko aufwiegen kann. In den vergangenen Jahren gab es eine Reihe spektakulärer Pleiten. Die Mindesteinlage bei Geschlossenen Immobilienfonds beträgt meist 10.000 Euro. Die Stiftung Warentest gibt regelmäßig eine sogenannte Warnliste heraus, in der besonders risikoreiche Fonds gelistet sind, und rechnet vor, dass knapp 70 Prozent dieser Fonds den Anlegern Verluste brachten. Lediglich sechs Prozent konnten tatsächlich die Rendite einfahren, mit der sie geworben hatten. Bezüglich der Steuer sollte man wissen, dass die Erträge aus Offenen Immobilienfonds in der Regel den Einnahmen aus Kapitalvermögen zugerechnet werden. Erträge aus Geschlossenen Immobilienfonds hingegen werden steuerlich als Einkünfte aus Vermietung und -Verpachtung oder aus einem Gewerbebetrieb eingestuft.

Schiffsfonds: Mein Haus, mein Auto, mein Schiff

Bei einer Schiffsbeteiligung werden Anleger:innen Mitteilhaber eines oder mehrerer Schiffe − meist sind das Containerfrachter. Für den Erfolg des Investments sind folgende Faktoren ausschlaggebend: der Einkaufspreis des Schiffes, die Konditionen der Charterverträge, die Kosten des laufenden Betriebs sowie die Auslastung und schlussendlich der Verkaufserlös bei Ablauf des Schiffsfonds. Üblicherweise wird das Schiff zu fünf Prozent des Neuwerts verkauft (der sogenannte Schrottwert). Dieser kann allerdings nicht immer erzielt werden. In der Regel haben Schiffsfonds eine Laufzeit von zehn bis 25 Jahren. Ähnlich funktioniert das übrigens auch bei einer Beteiligung an Containern. Die Container werden gekauft, vermietet und wieder veräußert. Containerfonds haben eine etwas kürzere Laufzeit. Nach etwa fünf bis acht Jahren ist das Projekt abgeschlossen. Achtung: Beide Varianten haben Anleger:innen zuletzt durch Pleiten nicht nur Nerven, sondern auch viel Geld gekostet.

Flugzeugfonds: Höhenflug oder Absturz

Als klassisches Infrastrukturinvestment gelten Flugzeugfonds. Eine Flugzeugbeteiligung ist eine Sachwertanlage, bei der eine Fondsgesellschaft die Maschinen erwirbt und sie an Leasingnehmer vermittelt. Man spricht daher auch von Leasingfonds. Die Anbieter von Flugzeugfonds kaufen mit dem Geld der Anleger:innen entsprechende Kontingente an Flugzeugen und schließen mit den jeweiligen Nutzern (sprich: Airlines) einen Leasingvertrag ab. Der Vertrag regelt auch Haftung, Wartung, Unterhalt der Maschinen und Versicherungen, die in der Regel vom Leasingnehmer getragen werden müssen. Die regelmäßigen Leasing-Einnahmen eines Fonds bilden die Grundlage für Gewinnausschüttungen und damit die Rendite, die mit der Anlage erzielt werden kann. Wegen der langen Nutzungsdauer der Maschinen liegen die Laufzeiten meist zwischen zehn und zwölf Jahren. Gerade in der Luftfahrtbranche ist das Risiko der Zahlungsunfähigkeit eines Leasing-Nehmers und damit der Totalverlust des Kapitals hoch. Selbst die vergleichsweise solide finanzierte Lufthansa musste in der Corona-Krise mit Steuergeldern gerettet werden.

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2021-11-10T11:53:13+01:00
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