Fragen und Antworten zu ETFs

Basis
Wir fassen die wichtigsten Fragen und Antworten zu ETFs noch einmal zusammen und geben Anregungen für erste Basisinvestments. Von Jens Castner und Ralf Ferken

Wenn du unsere Beiträge zu ETFs gelesen hast, juckt es dich vielleicht schon in den Fingern, die null Prozent Zinsen auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto gegen einen Indexfonds einzutauschen. Falls sich der ETF auf einen gängigen Aktienindex wie den DAX oder den MSCI World All Countries bezieht, sollten Kursgewinne und Dividenden auf lange Sicht zu einer jährlichen Rendite zwischen fünf und zehn Prozent führen. Da sich diese Rendite sehr ungleich auf die einzelnen Jahre verteilt, kommen wir um einige Risikohinweise aber nicht herum — hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten zu ETFs.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu ETFs

Das häufigste Thema zahlreicher Leserzuschriften ist: Wann ist der richtige Zeitpunkt, um ETFs zu kaufen? Die Antwort der Redaktion lautet: Jetzt — allerdings mit erheblichen Einschränkungen. Die Börse ist nicht berechenbar. Zwar gibt es unzählige volkswirtschaftliche Indikatoren und Methoden wie die Technische Analyse, mit deren Hilfe sich bestimmte Wahrscheinlichkeiten für die zukünftige Kursentwicklung errechnen lassen. Doch sichere Vorhersagen sind unmöglich. Und ein Crash kommt meistens dann, wenn ihn keiner erwartet. So gesehen im Februar 2020, als sich das Coronavirus zu einer weltweiten Pandemie entwickelt hat – und es an den Börsen deutlich gerumpelt hat.

Sollte eine weitere Coronavirus-Mutation auftreten, Banken oder Staaten pleite gehen — eine extrem negative Reaktion der Börse ist nie auszuschließen. Dabei muss es noch nicht einmal zum Crash kommen. Wenn du Ersparnisse von 100.000 Euro hast und diese komplett investierst, reicht eine ganz normale 20-Prozent-Korrektur, um dein Nerven zu strapazieren. 20.000 Euro auf einen Schlag weg — das halten die wenigsten Neueinsteiger aus. Wir empfehlen deshalb den schrittweisen Einstieg per Sparplan.

Im Folgenden gehen wir noch einmal auf die am häufigsten gestellten Fragen und Antworten zu ETFs ein.

Vom DAX bis zu Cannabis: Was bedeutet UCITS?

Das Kürzel ETF steht für Exchange Traded Fund, was wörtlich übersetzt „börsengehandelter Fonds“ bedeutet. Das ist ein wenig irreführend, da viele Fonds inzwischen über die Börse ge- und verkauft werden können. In aller Regel sind mit ETFs jedoch Fonds gemeint, die einen Index nachbilden. Neben gängigen Börsenbarometern wie DAX, Dow Jones oder Euro Stoxx können das auch Branchen- oder eigens kreierte Themenindizes sein. Der Vielfalt sind dabei keine Grenzen gesetzt. Im Januar beispielsweise kam der erste deutsche ETF auf den Markt, der auf Werte aus der Hanfindustrie setzt und den schönen Namen „The Medical Cannabis and Wellness UCITS ETF“ trägt (Wertpapierkennnummer A2P PQ0). Der Zusatz UCITS, der seit einigen Jahren hinter vielen Fonds und ETFs zu finden ist, sorgte bereits für einige Lesernachfragen. Die Abkürzung steht für UNDERTAKINGS FOR COLLECTIVE INVESTMENT IN TRANSFERABLE SECURITIES. Dieser Zusatz beschreibt nichts anderes als den Zweck eines jeden Investmentfonds, nämlich das gemeinsame Anlegen in handelbare (= übertragbare) Wertpapiere. Die EU-Regelung zu UCITS definiert, in welche Vermögensgegenstände und Finanzinstrumente eine Fondsgesellschaft investieren darf. Eine Regulierung dieser UCITS-Fonds erfolgt in der EU über die jeweilige nationale Aufsichtsbehörde, in Deutschland also die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

Physisch oder swapbasiert?

Was du auf jeden Fall abklären solltest, bevor du dem Kauf eines ETFs nähertrittst, ist die sogenannte Replikationsmethode. Es gibt swapbasierte und physisch replizierende ETFs. Letztere kaufen tatsächlich die Wertpapiere eines Index in identischer Gewichtung. Bei swapbasierten Produkten hingegen schließt der ETF-Anbieter mit einem anderen Finanzhaus ein Tauschgeschäft (englisch swap = Wechsel) ab. Dieses garantiert eine Wertentwicklung analog zum Index, auf den sich der ETF bezieht. Der ETF-Anbieter hinterlegt zur Sicherheit zwar Wertpapiere, diese müssen aber nicht zwangsläufig etwas mit dem Index zu tun haben. So können für einen DAX-ETF auch japanische Staatsanleihen hinterlegt werden. Was genau passiert, wenn einer der Swap-Partner pleitegeht, ist – mangels Präzedenzfall – unklar. Mehr dazu erfährst du hier.

Sparplan: Schritt für Schritt zum Vermögen

Die meisten Menschen überschätzen ihre Risikobereitschaft und unterschätzen die Kursschwankungen der Börse. Dass es innerhalb von rund drei Wochen um fast 40 Prozent nach unten geht, wie im Frühjahr 2020, das ist schon besonders. Rückschläge von 20 Prozent wie im Jahr 2018 sind hingegen völlig normal. Statistisch gesehen setzen schon bei Verlusten von 15 Prozent Panikverkäufe ein. Wenn du noch über keinerlei Börsenerfahrung verfügst, kann ein monatlicher Sparplan das richtige Rezept für dich sein. Geht es gleich am Anfang mit den Kursen bergab, ist nicht auf einen Schlag ein großer Teil deiner Ersparnisse weg, sondern du hast sogar Grund zur Freude: Du kaufst in die fallenden Kurse hinein und bist mit mehr Aktien dabei, wenn der Markt wieder nach oben dreht. ETF-Sparpläne gibt es bei einigen Brokern schon ab 25 Euro monatlich. Mehr zur Seite zu legen bringt später natürlich auch mehr Vermögen.

Was bringen Smart Beta-ETFs?

Wenn du dich mit ETFs beschäftigst, wird dir über kurz oder lang der Begriff Smart Beta begegnen. Dahinter verbergen sich ETFs, die bestimmte Strategien anwenden, um entweder das Risiko bei annähernd gleicher Rendite zu reduzieren oder bei etwa gleichem Risiko mehr Rendite zu erzielen als der Gesamtmarkt (im Idealfall die Kombination aus beidem). Die meisten der Strategien klingen plausibel, allerdings sind die Produkte in der Regel noch jung und nicht wirklich krisenerprobt. Die Erfahrung lehrt, dass bestimmte Strategien oft nur eine Zeit lang funktionieren und sich totlaufen, je mehr Anleger sie anwenden. Anfänger:innen tun gut daran, zunächst auf einfache Indexfonds zu setzen und sich nach und nach in das komplexe Thema einzuarbeiten.

Welcher ETF ist ein Basisinvestment?

Zwar sollte man seine Geldanlagen breit streuen. Doch wer nur kleine Summen zwischen 25 und 100 Euro pro Monat sparen kann, muss sich auf einige wenige ETFs konzentrieren. Fast die ganze Welt im Paket bildet der MSCI All Countries World Index ab. Ein solider ETF auf dieses weltweite Börsenbarometer ist der SPDR MSCI ACWI (WKN: A1J JTC). Wenn du etwas größere monatliche Sparraten zur Verfügung hast, kannst du diese auf mehrere ETFs verteilen, etwa den iShares MSCI North America (WKN: A0J 201),den HSBC MSCI Europe (WKN: A1C 22L) und den Comstage MSCI Emerging Markets (WKN: ETF 127). Es gibt jedoch auch zahlreiche andere Produkte auf diese Indizes. Erkundige dich bei deiner Bank, welcher dort die geringsten Gebühren und Ausgabeaufschläge hat.

Sollte man auf lange Sicht lieber Fonds oder ETFs kaufen?

Fonds beschäftigen einen/eine Fondsmanager:in, während ETFs lediglich einem Index folgen. Deshalb müssen Anleger:innen bei Fonds pro Jahr höhere laufende Kosten bezahlen als bei ETFs. Das spricht auf längere Sicht für ETFs. Einzelne Fonds können auf lange Sicht dennoch besser abschneiden.

Kann man Fonds und ETFs in einem Portfolio mischen?

Ja, meint Stephanie Lang, die bei der Fondsgesellschaft Blackrock die Portfoliostrategie in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Osteuropa leitet. „Wer aktiv gemanagte und indexbasierte Strategien nutzt, erweitert sein Instrumentarium“, sagt Lang. Denn Fonds und ETFs hätten jeweils andere Stärken. Fonds eigneten sich am besten bei unentdeckten Märkten, ETFs sehr gut bei erforschten Märkten wie dem US-Aktienmarkt.

Was sind Klumpenrisiken? Und wie verhindert man sie?

Wer einen deutschen, einen europäischen und einen globalen Aktien-ETF kauft, ist dreimal in deutschen Aktien investiert und hat so etwa bei Allianz und SAP ein Klumpenrisiko. Klüger wäre es, je einen Aktien-ETF für europäische und US-Aktien zu kaufen, um Überschneidungen zu vermeiden.

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2021-11-10T11:43:32+01:00
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