ETF-Sparplan: Alle Infos rund um das neue Sparschwein

Basis
Eine Form der Geldanlage erfordert weniger Mut als vielmehr Durchhaltevermögen: Sparpläne. Mit einem ETF-Sparplan kannst du einfach und kostengünstig in die börsenbasierte Vermögensplanung einsteigen. Du investierst in regelmäßigen Abständen feste Beträge. Von Wolfgang Hagl und Christoph Platt

Bei einem ETF-Sparplan zahlst du in passive, börsengehandelte Indexfonds ein. Die Produkte erleben seit geraumer Zeit einen Boom, nun scheinen sie endgültig auch im Sparplan-Geschäft angekommen zu sein.

Der Vorteil der Exchange-Traded Funds (ETFs) sind ihre niedrigen Kosten. Sie verzichten auf aktives Portfoliomanagement und bilden lediglich einen Börsenindex eins zu eins ab. Dadurch bleiben die jährlichen Gebühren gering. Für ETFs auf gängige Aktien- oder Rentenindizes liegen diese bei maximal 0,3 Prozent. Bei aktiv gelenkten Portfolios wird locker das Fünffache fällig.

Parallel zum steigenden ETF-Vermögen wächst auch das Volumen der ETF-Sparpläne. Das Internetportal ExtraETF.com analysiert monatlich diesen Geschäftsbereich bei den deutschen Direktbanken. Im Juli 2021 wurden über ETF-Sparpläne 523 Millionen Euro investiert. Fast drei Millionen Sparpläne vermelden die befragten Institute.

Zinsniveau spricht für ETF-Sparpläne

Dass ETF-Sparpläne so großen Zuspruch erfahren, hat mehrere Gründe. Zum einen das niedrige Zinsniveau. Die Anleger sehen immer intensiver, dass es für Spareinlagen so gut wie keine Zinsen mehr gibt, sagt Markus Erdmann, Produktexperte bei der Direktbank ING Deutschland. Gab es in den Jahren zuvor gelegentlich noch die Hoffnung, dass das Zinsniveau wieder steigen könnte, wurde 2019 — auch durch Äußerungen der Europäischen Zentralbank — vielen klar, dass die Zinsen noch lange niedrig bleiben werden. Zum anderen haben sich seit dem Corona-Crash im Frühjahr 2020 die Börsen von ihrer besten Seite gezeigt.

Außerdem wirkt das zunehmende Interesse selbstverstärkend. Weil immer mehr Anleger einen ETF-Sparplan haben, spricht sich das umso schneller rum, meint Thomas Meyer zu Drewer, Leiter des Privatkundenvertriebs in Deutschland beim ETF-Anbieter Lyxor. Er sieht ETFs und deren Nutzung in Sparplänen in der Breite der Anlegerschar angekommen. Die allgemeine Akzeptanz hat sich erhöht, und ein Sparplan ist nichts Exotisches mehr, sagt er.

Kriterien: Einmal um die ganze Welt

Mit dem Kauf eines Aktien-ETFs holen sich Anleger:innen das Börsenrisiko in ihr Depot. Bei einem Sparplan hilft neben der langfristigen Ausrichtung die Zusammensetzung des eingesetzten Index, die Gefahren abzumildern. Grundsätzlich gilt: Je breiter ein Börsengradmesser aufgestellt ist, desto weniger kann ihm das Auf und Ab an den Aktienmärkten anhaben. Anleger:innen sollten darüber hinaus zu Indizes greifen, die einfach und verständlich konstruiert sind und als Benchmark für den jeweiligen Markt gelten.

In Deutschland erfüllt der DAX diese Kriterien. Wenngleich mit 40 enthaltenen Aktien relativ klein gebaut, ist der heimische Leitindex in besonders vielen Sparplänen zu finden, beispielsweise bei Xtrackers (ISIN: LU0274211480). iShares bietet als ETFs den MSCI World Index (ISIN IE00B4L5Y983), den S&P 500 (IE00B5BMR087) an. Angesichts dieser enormen Diversifikation überrascht es nicht, dass auch dieser passive Fonds zu den Favoriten der ETF-Sparer:innen zählt.

Mehr dazu hier im Beitrag „Wie soll ich investieren? Mit drei ETFs um die Welt“

Auch inmitten der Krise haben die bisherigen Ursachen für den ETF-Sparplan-Boom Bestand. Das Argument anhaltend niedriger Zinsen dürfte künftig umso mehr gelten. Zur Unterstützung der Wirtschaft hat bereits eine Reihe von Notenbanken den Leitzins gesenkt oder ihn auf niedrigem, gegebenenfalls negativem Niveau zementiert. Die Welt ohne Zinsen wird mehr denn je fortbestehen. Das wird Sparpläne auch künftig unerlässlich machen.

Mit einem ETF-Sparplan beweglich bleiben

Die aktuelle Stresssituation führt zudem einen wichtigen Vorteil von Sparplänen vor Augen: ihre Flexibilität. So lassen sich die Einzahlungen jederzeit reduzieren oder aussetzen. Wer momentan das Geld an anderer Stelle braucht, kann beispielsweise mit einigen Raten pausieren.

Die Flexibilität gilt aber auch andersherum: Ein Aufstocken der Sparraten ist ebenso möglich. Gerade nach dem Absturz der Märkte kann das sinnvoll sein. Sparplan-Anleger:innen haben für gewöhnlich einen sehr langen zeitlichen Horizont. Kurseinbrüche wie im Februar und März 2020 — und seien sie auch noch so heftig — sollten ihre langfristige Strategie nicht erschüttern. Die eigentliche Frage für Investoren ist, wo Unternehmen in fünf oder zehn Jahren stehen werden, sagt Christian Kahler von der DZ Bank und verweist auf eine im Normalfall langfristig wachsende Wirtschaft. Der Analyst rät daher, Sparpläne auf Aktien unbedingt weiterlaufen zu lassen. Wer finanzielle Puffer hat, sollte sich sogar überlegen, bestehende Sparpläne aufzustocken.

Gerade die aktuelle Krise könnte ein guter Zeitpunkt sein, um sich dem regelmäßigen Sparen zu widmen. Niemand weiß, ob die Kursrückgänge allmählich überstanden sind oder es noch weiter abwärtsgeht. Das erscheint vielen als schlechter Moment, um einzelne große Wetten einzugehen. Ein ETF-Sparplan dagegen ist quasi das Gegenteil des Versuchs, den richtigen Moment für den Einstieg abzupassen. Stoisch wird in einem festgelegten Intervall — üblicherweise ein Monat — ein bestimmter Betrag eingezahlt. Kontinuität als Gegenentwurf zu Markttiming.

Slide Sparplan-ETFs: Bewährtes bevorzugen
Gut sortierte Anbieter bieten mehrere Hundert sparplanfähige ETFs an. Grundsätzlich empfiehlt es sich, in gängige, breit aufgestellte Indizes zu investieren. Diese ETFs sind nicht nur günstiger im Unterhalt, sondern haben durch die Diversifikation auch weniger Risiko. Außerdem bleiben sie in Stresssituationen an den Märkten liquide.

Cost-Average-Effekt

Bei einer fixen Anlagesumme hängt die Zahl der zum Stichtag gekauften ETF-Anteile vom jeweils aktuellen Kurs ab. Geht es mit den Kursen bergab, kaufst du zu Kursen ein, die deutlich niedriger sind als vor vier Wochen. Geht es noch weiter nach unten, kaufst du mit dem gleichen Betrag in den nächsten Monaten noch mehr Wertpapiere als zuvor.

Befindet sich der Referenzindex gerade auf einem tiefen Niveau, wächst der Sparplan um relativ viele neue Stücke. Dagegen können in Phasen hoher Kurse für dieselbe Summe vergleichsweise weniger Anteile gekauft werden. Du agierst antizyklisch und zahlst einen Durchschnittspreis. Untersuchungen zeigen, dass dies auf Dauer gegenüber der Einmalanlage vorteilhaft sein kann.

Um einen ETF-Sparplan zu starten, empfiehlt sich der Gang zu einer Direktbank. Viele Institute bieten mehrere Hundert geeignete Produkte an. Selbst ausgefallene Anlagewünsche lassen sich damit erfüllen.

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2021-11-17T13:42:24+01:00
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