Depot eröffnen – so geht’s!

Basis
Wer in Zeiten mickriger Zinsen eine ordentliche Rendite erzielen will, muss ein Depot eröffnen. Was dabei zu beachten ist. Von Sonja Funke

In einem Wertpapierdepot verwahrt das Geldinstitut deine Wertpapiere. Das Depot (französisch für „Lager“) funktioniert im Prinzip wie ein Girokonto: Es verwaltet das Geld, das auf dem Konto gelagert ist, und verbucht alle Ein- und Auszahlungen, die du tätigst.

Ein Depot eröffnen: Das solltest du wissen

Kaufst oder verkaufst du Wertpapiere, erteilst du dem Institut den entsprechenden Auftrag über dein Depot; im Fachjargon: Du platzierst eine Order. Das Institut führt diese über ein Verrechnungskonto für dich aus – kauft oder verkauft also in deinem Auftrag das Wertpapier. Der entsprechende Geldbetrag wird von deinem Referenzkonto, einem Giro- oder Tagesgeldkonto, abgebucht beziehungsweise diesem gutgeschrieben.

Die depotführende Bank fungiert dabei als reine Verwahrstelle. Egal ob Aktie, Anleihe, ETF oder Fonds – beim Inhalt des Depots handelt es sich um sogenanntes Sondervermögen. Das ist bei einer Pleite der Bank in jedem Fall geschützt, kann zu einer anderen Bank übertragen werden und ist vor dem Zugriff des Insolvenzverwalters sicher.

Im Prinzip verhält es sich wie bei einem Schließfach, mit dem Unterschied, dass die Bank weiß, was darin liegt – und von deinen Erträgen entsprechend Steuern abführen muss.

Identifikation: Post-Ident-Verfahren …

Wer ein Depot eröffnen will, muss dazu keinen Termin mehr beim Bankberater oder bei einer Bankberaterin vereinbaren. Fordere beim Post-Ident-Verfahren die Unterlagen telefonisch bei der Bank an oder lade sie über deren Homepage herunter, drucke und fülle sie aus und mach dich auf den Weg zur nächsten Postfiliale. Dort legst du die Unterlagen vor – ebenso den beigefügten Post-Ident-Kupon und ein gültiges Ausweisdokument. Die Mitarbeiter:innen der Post bestätigen deine Identität und schicken den unterschriebenen Vertrag an die Bank. Diese übermittelt dir die Zugangsdaten für dein Depot und getrennt davon eine Geheimzahl, die du angibst, wenn du darauf zugreifen willst.

… oder Video-Ident-Verfahren

Wer es noch bequemer mag, bleibt zu Hause: Viele Banken bieten das sogenannte Video-Ident-Verfahren an. Auch dafür brauchst du einen gültigen Ausweis, Computer, Tablet oder Smartphone mit Kamera sowie eine stabile Internetverbindung.

Damit du sich identifizieren und das Konto eröffnen kannst, wird ein Video-Chat gestartet. Ein Bankmitarbeiter prüft am Bildschirm deinen Ausweis, den du vor die Kamera halten musst, und gleicht die übermittelten Daten ab. Dann bestätigst du mit einer Sicherheits-TAN, die du per Mail oder SMS aufs Smartphone erhältst. Meist kommen die Zugangsdaten anschließend per Post.

Depot eröffnen: Bei einer Direkt- oder Filialbank?

Egal ob Schuh oder Auto – vor dem Kauf vergleichen wir Produkte und Preise. Mach es bei der Wahl deines Depotanbieters genauso: Überlege, wem du dein Geld anvertrauen willst und was dir dabei wichtig ist.

Legst du Wert auf einen/eine Ansprechpartner:in vor Ort, der/die sich Zeit für eine ausführliche Beratung nimmt und dir bei der Auswahl der Produkte hilft? Dann halte deiner Hausbank vor Ort die Treue. Mach dir bewusst, dass der Berater einer Filialbank dir seine Produkte anbietet, wie die Marktfrau ihre Äpfel — und dass du diese Beratung bezahlst; meist über verdeckte Kosten und Depotgebühren. Und sei dir darüber im Klaren, dass dein Bankberater oder deine Beraterin dir bevorzugt Produkte aus dem eigenen Haus anbieten wird, die Angebotspalette also begrenzt ist. Du gehst ja auch nicht zu einem BMW-Händler und fragst nach einem Audi.

Direktbanken verzichten auf ein dichtes Netz mit Niederlassungen, Kundenschaltern und vielen beratenden Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Deshalb können sie günstigere Konditionen anbieten. Die Geschäfte werden über das Internet, das Telefon und den Postweg abgewickelt. Die Kontoeröffnung ist in der Regel unproblematisch und auch die Kontoführung einfacher, als viele glauben.

Voraussetzung ist, dass du keine Beratung zu deinen Wertpapierkäufen und -verkäufen brauchst. Hast du Fragen zur Abwicklung, kannst du einen Ansprechpartner per Telefon oder Chat um Hilfe bitten. Da die Kontoführung nur per Telefon oder Internet erfolgen kann, ist ein guter Virenschutz unverzichtbar. Denn so verlockend ein Angebot auch sein mag: Sicherheit hat Vorrang! Bei den meisten Banken in Deutschland ist dein Kapital „be“-sichert. Institute mit begrenztem Einlagenschutz solltest du meiden.

Vergleiche die Konditionen verschiedener Anbieter gut und prüfe bei besonders verlockenden Angeboten genau, wie lange dir Zinsen (etwa aufs Tagesgeld) gezahlt werden – und auf welche Anlagesumme sich diese beziehen.

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Durch den Wechsel zu einem günstigeren Depotanbieter lassen sich oft Hunderte Euro pro Jahr sparen. Die Übertragung von Wertpapieren aus einem Depot in ein anderes darf nach einem Entscheid des Bundesgerichtshofs nichts kosten.

Checkliste: Was du beachten musst

Slide Die Gesamtkosten für ein Depot setzen sich aus den Gebühren für die Aufbewahrung und denen für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren (den Orderkosten) zusammen. Vergleiche die Jahreskosten für das Depot. Filialkunden können Orderkosten oft senken, wenn du zwischen Service und selbsttätigem Handel wählst: Führst du die Transaktion am heimischen Computer selbst aus, ist sie günstiger. Achte darauf, dass die Kurse im Depot in Echtzeit dargestellt werden. Nutze ein Tagesgeldkonto als Verrechnungskonto. Finde idealerweise eine Bank, die dir hohe Zinsen aufs Tagesgeld gewährt und eine Prämie für die Depoteröffnung zahlt. Eröffne ein Musterdepot bei der Bank deiner Wahl. Dort kannst du ohne echtes Geld die Depotführung und dessen Übersichtlichkeit testen.

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2021-11-15T15:26:40+01:00
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