Bundesanleihen: Eine der sichersten Anlagen

Basis
Deutsche Staatsanleihen zählen zu den sichersten Anlageformen. Wie sie funktionieren und worauf du achten musst, wenn du sie dir ins Depot legst. Von Sonja Funke

Zur Finanzierung seiner Ausgaben braucht ein Staat viel Geld. Weil die Einnahmen aus Steuern und Abgaben dafür meist nicht reichen, leiht er sich dafür zusätzliches Kapital. Das tut er am Kapitalmarkt, wo er bestimmte Wertpapiere, sogenannte Staatsanleihen, verkauft. Deren Ausgabe ist also eine Form der staatlichen Kreditaufnahme: Der Staat leiht sich Geld und verbrieft die Rechte der Gläubiger:innen in einer Anleihe — diese ist also eine Art Schuldschein. Staatsanleihen dienen in der Regel der langfristigen Finanzierung.

Für jede Anleihe — auch Rente, Obligation, Schuldverschreibung oder Bond genannt — wird festgelegt, wann der Staat das Geld zurückzahlt und wie viel Zinsen er dafür berappen muss. Die Laufzeiten reichen meist von fünf über zehn bis 30 Jahre. Österreich brachte 2017 als erstes Euroland eine Anleihe auf den Markt, die erst in 100 Jahren fällig wird. Bis dahin kann sie, wie bei Staatsanleihen üblich, an der Börse täglich ge- und verkauft werden.

Verzinsung von Bundesanleihen

Die Verzinsung von Staatsanleihen orientiert sich an der Zahlungsfähigkeit (Bonität) des ausgebenden Staats. Je größer das Risiko ist, dass der Staat das Geld nicht zurückzahlen kann, umso höher müssen die Zinsen sein, die er anbietet. Der Kupon nennt die Höhe der nominalen Verzinsung einer Anleihe in Prozent.

Risikoscheue Anleger:innen setzen ausschließlich auf Anleihen von Staaten mit exzellenter Zahlungsfähigkeit. Zu diesen zählt zweifellos die Bundesrepublik Deutschland, deren Bonität von den namhaften Ratingagenturen Fitch, Moody’s und Standard & Poor’s mit der jeweiligen Bestnote bewertet wird.

Ein wichtiger Indikator für das Zinsniveau am Rentenmarkt ist die Umlaufrendite. Sie entspricht der durchschnittlichen Rendite sämtlicher in Umlauf befindlicher inländischer Rentenpapiere erster Bonität, also insbesondere der Staatsanleihen. Die Umlaufrendite wird regelmäßig von der Deutschen Bundesbank veröffentlicht und spielt am Rentenmarkt eine ähnlich wichtige Rolle wie der DAX als Leitindex am deutschen Aktienmarkt. Zurzeit liegt sie unter null Prozent: Der deutsche Staat kann momentan also so günstig wie selten zuvor Geld am Kapitalmarkt aufnehmen – er verdient daran sogar. Anleger:innen leihen dem Bund also Kapital und zahlen dafür sogar eine Gebühr.

Slide Wer gut schlafen will, kauft Anleihen, wer gut essen will, bevorzugt Aktien. André Kostolany, Börsenguru

Bundesanleihen – Geldquelle der Republik

Zu den beliebtesten Bundeswertpapieren gehören die sogenannten Bundesanleihen. Das sind Schuldverschreibungen der Bundesrepublik Deutschland. Grundsätzlich eignen sich diese prima für die sichere, langfristige Geldanlage: Bundesanleihen gibt es mit Laufzeiten von zehn oder 30 Jahren ab dem Tag der Auflegung (Emission).

Als Inhaber:in bekommst du jedes Jahr eine feste Zinszahlung und am Ende der vereinbarten Laufzeit den vollen Nennwert, also den ursprünglich gezahlten Betrag, zurück. Für die Rückzahlung der Bundesanleihen haftet die Bundesrepublik Deutschland mit ihren Vermögenswerten und den Steuereinnahmen. Die Emissionstermine der Bundesanleihen stehen schon bis zu einem Jahr im Voraus fest. Du kannst die Bundesanleihen aber an jedem Börsentag über Banken und Sparkassen kaufen oder verkaufen. Dabei gibt es grundsätzlich weder eine Mindestanlagesumme noch einen Anlagehöchstbetrag.

Hältst du Bundesanleihen bis zum Ende ihrer Laufzeit, lassen sich damit exakt kalkulierbare, regelmäßige Erträge verdienen. Diese Wertpapiere eignen sich also für all jene Anleger:innen, die das Risiko scheuen und größere Anschaffungen in fernerer Zukunft planen. Darüber hinaus gelten sie als Grundbaustein für die Altersvorsorge. Der Nachteil: In der aktuellen Nullzinsphase werfen sie sehr wenig ab. Vor einigen Jahren gab es immerhin noch satte drei oder vier Prozent Zins pro Jahr.

Was es sonst noch gibt: Obligationen und Schätze

Nach demselben Prinzip wie die Bundesanleihen funktionieren Bundesobligationen: Ihre Laufzeit ist mit fünf Jahren aber kürzer. Obligationen eignen sich für eine mittelfristige, sicherheitsorientierte Anlage. Die Inhaber erhalten jährlich feste Zinszahlungen (Kupons) sowie die Rückzahlung des vollen Nennwerts am Laufzeitende. Obligationen werden an der Börse gehandelt, du kannst sie dort an jedem Handelstag kaufen und verkaufen. Achte jedoch auf die Kursbewegungen während der Laufzeit!

Für die kurzfristigere Geldanlage kannst du auch Bundesschatzanweisungen nutzen: Die weisen mit zwei Jahren Laufzeit den kürzesten Anlagehorizont unter den börsennotierten Bundeswertpapieren auf. Dank der gleichbleibenden jährlichen Zinszahlung und der garantierten Rückzahlung zum vollen Nennwert am Laufzeitende lässt sich damit der erzielbare Ertrag schon zum Zeitpunkt der Geldanlage genau kalkulieren.

Die gibt es nicht mehr: Bundesschatzbriefe sind passé

Über Jahrzehnte zählten Bundesschatzbriefe zu den beliebtesten Anlagen der Deutschen: Sie galten als rentabel und sehr sicher. Doch Ende 2012 wurde ihr direkter Verkauf an Privatanleger eingestellt – die Niedrigzinsen haben diese Anlageform unattraktiv gemacht.

Slide Einen Überblick darüber, welche Bundeswertpapiere aktuell in Umlauf sind, findest du auf der Internetseite der Deutschen Finanzagentur. Sie ist für das Schuldenmanagement des Bundes zuständig und begibt Anleihen: www.deutsche-finanzagentur.de

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2021-11-15T15:40:44+01:00
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