Drei Schritte zur Geldanlage: So einfach geht’s!

Basis
Egal, ob du schon ein kleines Finanzpolster angespart hast oder mit kleinen monatlichen Beträgen starten willst — alles, was du wissen musst, um daraus ein Vermögen zu machen. Schritt für Schritt zur Geldanlage. Von Sonja Funke

Sparen? Wir Deutschen lieben es! Und trotz Zinsflaute haben wir so viel Geld auf der hohen Kante wie nie zuvor — zumindest in Summe. Und es wird immer mehr: Das Geldvermögen der privaten Haushalte stieg der Bundesbank zufolge hierzulande im ersten Quartal 2021 um 192 Milliarden Euro auf rund 7,1 Billionen Euro.

Wir sparen immer weiter

Dem Bankenverband BVR zufolge ist die Sparquote während der Pandemie von rund elf Prozent auf 17 Prozent gestiegen. Von 100 Euro Einkommen werden also fast 17 Euro gespart. Alles gut also? Mitnichten! Denn auch wenn das Sparschwein bei der Vermögensbildung weitestgehend ausgedient haben dürfte, setzen die Deutschen vor allem auf Geld, auf das sie schnell zugreifen können. Sie lassen ihr Bargeld also auf Giro-, Tagesgeld- oder Festgeldkonten herumdümpeln. Offenbar völlig unbeeindruckt davon, dass Banken und Sparkassen, wenn überhaupt, nur noch mickrige Zinsen zahlen. Der vermeintliche Vorteil für Sparer:innen, ihre Einlagen bei Bedarf schnell verfügbar zu haben, bedeutet Verzicht auf Rendite. So verlieren Sparer:innen unterm Strich auf diese Weise bei steigender Inflation sogar Geld. Denn die ist ein echter Feind des Vermögens.

Die schleichende Geldentwertung frisst das Ersparte, das unverzinst auf den Konten schlummert.

Slide Ein Euro schmilzt schon bei einer Inflationsrate von nur zwei Prozent auf gut die Hälfte seiner heutigen Kaufkraft in 30 Jahren ab. Wer bei seiner Vorsorgeplanung nicht beachtet, dass ein heutiger Euro dann nur noch 55 Cent wert ist, riskiert eine gefährliche Deckungslücke im Alter.“ Thilo Schumacher, Vorstand Personenversicherung beim AXA-Konzern

Übrigens: Die Inflationsrate in Deutschland lag im November 2021 erstmals seit fast 30 Jahren bei über fünf Prozent. Die Verbraucherinnen und Verbraucher mussten 5,2 Prozent mehr für Waren und Dienstleistungen bezahlen als im November 2020. Mehr zu den Verbraucherpreisen findest du auf der Website des Statistischen Bundesamtes.

Geldanlage Schritt 1: Kassensturz

Mach zuerst einen Kassensturz. Erfasse dazu in einer Liste dein gesamtes Guthaben: Giro-, Tages- und Festgeldkonten, Sparbücher und Bundesschatzbriefe, Aktien-, Geldmarkt-, Renten- und Immobilienfonds, Riester- und Kapitallebensversicherung (Rückkaufwert), Bausparverträge, selbst genutztes oder vermietetes Immobilienvermögen (geschätzter Marktwert) und sonstiges Vermögen.

Darunter kommen die Verbindlichkeiten. Also: Dispo- und Ratenkredite, BaföG-Darlehen, sonstige Darlehen, Immobilienkredit sowie weitere Verbindlichkeiten.

Vermögen minus Verbindlichkeiten ergibt dein Nettovermögen. Einmal aufgesetzt, kannst du die Liste über Jahre fortschreiben und siehst so stets deine Vermögensentwicklung.

Das magische Dreieck: Priorität auswählen

Du willst dein Geld absolut sicher anlegen, jederzeit komplett darüber verfügen und gleichzeitig eine traumhafte Rendite erzielen? Sorry, daraus wird leider nichts. Es gibt kein Investment, das alle drei Ziele gleichzeitig erreicht. Nirgends.

Deshalb musst du dich entscheiden, was dir am wichtigsten ist, und jedes Angebot mit Blick auf die drei Aspekte Sicherheit, Verfügbarkeit (Liquidität) und Rendite unter die Lupe nehmen. Da diese drei Punkte immer ein Stückchen voneinander entfernt liegen, sprechen Expert:innen vom „magischen Dreieck“. Jede Geldanlage lässt sich zwischen ihnen einordnen.

Das Prinzip ist simpel: Je sicherer und liquider eine Anlage ist, desto weniger Rendite wirft sie ab. Und umgekehrt: Eine Anlage mit hoher Rendite ist entweder weniger liquide oder weniger sicher. In einem ausgewogenen Portfolio ergänzen sich die Aspekte entsprechend deines Anlegertyps.

Schritt 2: Sparpotenzial ermitteln

Nach dem Kassensturz ermittelst du dein Sparpotenzial. Inzwischen bieten viele Direktbanken eine Kontoanalyse an, auch entsprechende Apps gibt es. Wer lieber offline Buch führt: Eine prima Vorlage gibt es auf der Website der Verbraucherzentrale. Lade dir dort die kostenfreie Monats- und Wochenübersicht herunter.

Das Stufenmodell: Wie viel Geld wohin?

Teile dein Geld systematisch auf vier Stufen auf:

  • Stufe 1: Das Geld, das du für den laufenden Zahlungsverkehr benötigst, ist am besten auf dem Girokonto aufgehoben; etwa ein Nettomonatsgehalt.
  • Stufe 2: Der Notgroschen, zwei bis drei Monatsgehälter, ist deine Reserve für kurzfristige, ungeplante Ausgaben und gehört auf ein Tagesgeldkonto.
  • Stufe 3: Geld für den Traumurlaub und das neue Auto, also größere Ausgaben, die du mittelfristig planst, packst du in sichere Finanzprodukte wie Festgeldkonten, Rentenfonds, Pfandbriefe oder Bundesschatzbriefe.
  • Stufe 4: Alle langfristigen Anlagen wie Aktien, Fonds, Kapitallebens- und Rentenversicherungen: Plane von Anfang an Sparraten hierfür mit ein.

Schritt 3: Ziele definieren

Nun definiere die Ziele deiner Geldanlage. Stehen größere Anschaffungen an? Wann brauchst du wie viel von deinem Geld?

Musst du innerhalb der kommenden vier bis sechs Jahre an dein Erspartes, empfiehlt sich die Anlage in Tages- und Festgeld. Kannst du es zehn Jahre oder länger entbehren, bietet sich ein Mix aus Tages-, Festgeld und Aktien oder ETFs an.

Wie sich Geld vermehrt

Jede Form der Geldanlage ist ein Tausch in etwas, das dir einen Ertrag oder eine Wertsteigerung bringt. Denn dein Geld vermehrt sich grundsätzlich nur auf zwei Arten: Entweder du verleihst es zinsbringend oder du investierst es.

Wenn du dein Geld verleihst, dann gegen feste und – idealerweise – hohe Zinsen. Das geschieht beispielsweise über Spareinlagen oder mit dem Kauf von Anleihen. Diese können entweder von Unternehmen, Banken oder Staaten ausgegeben werden. Im Fachjargon bezeichnet man den Ausgebenden als Emittenten.

Wenn du Geld investierst, beteiligt du dich am möglichen Gewinn und am eventuellen Verlust eines wirtschaftlichen Handelns. Das tust du, indem du zum Beispiel Unternehmensanteile (also Aktien) kaufen. Deine Rendite stammt dann entweder aus ausgeschütteten Gewinnen (Dividenden) oder aus Preisanstiegen, wenn du etwa Aktien oder Immobilien kaufst und später teurer verkaufst.

Slide Zahle deine Schulden zurück. Das ist die sinnvollste Form des Finanzmanagements. Die Zinsen auf bestehende Kredite sind fast immer sehr viel höher als die zu erwartende Rendite einer Anlage. Du kannst alte Kredite ablösen oder deinen Dispo ausgleichen? Ist eine Sondertilgung für die Baufinanzierung möglich? Mit solchen außerplanmäßigen Zahlungen sparst du viel Geld, weil du über die Zeit deutlich weniger Zinsen zahlen musst.

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2021-11-30T11:24:16+01:00
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