Dividende, Aktie, Aktiengesellschaft: Begriffe, die jeder kennen sollte

Basis
Vielen Menschen erscheint der Kauf einer Aktie schlicht zu riskant, das ist es aber nicht. Wir erklären dir Schritt für Schritt, was du über die Aktienanlage wissen musst. Von Sonja Funke

Jedes Jahr im Mai wird sie zitiert: Die vermeintliche Börsenweisheit „Sell in May and go away“. Sie besagt, dass Anleger:innen in den Sommermonaten an der Börse schlechtere Ergebnisse erzielen als in den übrigen Monaten. Erst im Herbst sollen sie zurückkommen, um sich aufs Neue zu engagieren: „… but remember to come back in September“, geht der Spruch weiter.

Aber selbst für Profis ist es unmöglich, den richtigen Zeitpunkt für einen Einstieg an der Börse zu bestimmen. Auch wenn die saisonale Strategie unter Expert:innen ihre Anhänger:innen hat, empfiehlt es sich für Privatanleger:innen ohnehin nicht, Anlageentscheidungen an der Jahreszeit auszurichten.

Für langfristigen Vermögensaufbau ist die Haltedauer viel entscheidender als der Einstiegszeitpunkt. Untersuchungen zeigen, dass nur an einzelnen Tagen im Jahr wirklich hohe Renditen erzielt werden. Und wer sein Geld langfristig vermehren möchte, wird um einige Schwächephasen ohnehin nicht herumkommen. Doch selbst wenn die Kurse hin und wieder schwanken, machen Anleger:innen mit Aktien langfristig ein Plus. Allein der DAX stieg seit Ende 2008 von 4810 Punkten bis Ende Dezember 2020 auf 13 718 Punkte. Das entspricht einer jährlichen Wertentwicklung von rund 9,1 Prozent. 2021 legte der deutsche Leitindex bis Ende Oktober weitere 15 Prozent zu.

Boom bei der Zahl der Aktionär:innen

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass du dich überhaupt an der Börse engagierst. In den vergangenen Jahren zogen nur zwölf Prozent der Deutschen eine entsprechende Anlage in Betracht. Im Corona-Jahr 2020 kam es dann zu einem Boom bei den Aktionärszahlen, denn 2020 waren 12,4 Millionen Menschen in Aktien investiert. Insbesondere im März und April nutzten viele die niedrigen Kurse im Zuge der Börsenturbulenzen als Chance für den Einstieg in den Aktienmarkt. Und: In der Gruppe der unter 30-Jährigen stieg die Zahl der Aktionär:innen um fast 70 Prozent auf 600.000.

Slide Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie sie nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie reich sein.“ André Kostolany, Börsenguru

Aktiengesellschaft

Mit dem Kauf einer Aktie wirst du zum Aktionär oder zur Aktionärin, also zum/zur Miteigentümer:in eines Unternehmens, dessen Rechtsform die Aktiengesellschaft (AG) ist. Die AG ist die bedeutendste Form einer Kapitalgesellschaft, denn sie beschafft sich das erforderliche Grundkapital durch Ausgabe von Aktien.

Die Organe der AG sind Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung. Der Vorstand muss für jedes abgelaufene Geschäftsjahr innerhalb der ersten drei Monate des neuen Geschäftsjahres einen Jahresabschluss erstellen. Der Aufsichtsrat ist dabei das Kontrollgremium einer Aktiengesellschaft. Es besteht aus mindestens drei Mitgliedern und überwacht die Geschäftsführung, bestimmt die Mitglieder des Vorstands und erstellt mit diesen gemeinsam den Jahresabschluss.

Der wird durch einen von der Hauptversammlung (HV) gewählten Abschlussprüfer geprüft. Die ordentliche HV findet einmal im Jahr statt, denn sie ist die Zusammenkunft der Aktionäre und Aktionärinnen einer AG. Ihre wichtigsten Befugnisse: Bestellung des Aufsichtsrats, Entscheidung über die Verwendung des Gewinns und über Kapitalmaßnahmen sowie Entlastung von Aufsichtsrat und Vorstand.

Aktie

Die Aktie verbrieft einen winzigen Teil am Grundkapital einer Aktiengesellschaft (AG): Sie ist ein Anteilsschein. Durch dessen Kauf stellen Aktionär:innen einem Unternehmen Geld zur Verfügung und werden dafür am Gewinn beteiligt. Aktionär:innen erwerben mit dem Aktienkauf in der Regel ein Stimmrecht und können damit auf der Hauptversammlung die Geschäftspolitik der Firma beeinflussen. Der Wert der Aktie schwankt und wird an der Börse ermittelt.

Dividende

Als Anleger:in hast du ein Recht auf eine Gewinnbeteiligung: die sogenannte Dividende. In den meisten Ländern wird diese wie in Deutschland einmal im Jahr ausgeschüttet. Allerdings nur, wenn ein Gewinn gemacht wird und die Hauptversammlung beschließt, ihn an die Anleger:innen auszuschütten. Die Höhe der Dividende wird von der Hauptversammlung nach dem Vorschlag der Verwaltung festgesetzt. Am Tag der Dividendenzahlung, also kurz nach der Hauptversammlung, erfolgt die Kursnotiz der Aktie mit einem Dividendenabschlag, also „ex Dividende“.

Geschichte der Aktie: Von Pfeffersäcken und Gewürznelken

Niederländische Kaufleute schlossen sich im 17. Jahrhundert zusammen und gründeten die Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC). Dank Rückendeckung aus der Politik erhielt diese das Monopol auf Asienfahrten und durfte eigenständig Verträge schließen, Beamte ernennen und Kriege führen. Für die Niederländer begann mit dem Import von Gewürzen und exotischen Gütern ein goldenes Zeitalter. Sie errichteten zwischen 1602 und 1799 ein Kolonialimperium in Vorder- und Hinterindien. Bereits damals beschäftigte die Ostindien-Kompanie 70.000 Mitarbeiter:innen und wurde zu einem der wertvollsten Unternehmen aller Zeiten – und zum allerersten Weltkonzern.

Fast nebenbei legten die „Pfeffersäcke“ genannten Mitglieder der Gesellschaft mit ihrem Handelsunternehmen die Grundlage für die modernen Aktiengesellschaften: Die Vereenigde Oostindische Compagnie gab die erste Aktie der Wirtschaftsgeschichte aus. Die Zinsen zahlten die Händler:innen in Form von Gewürznelken und anderen Spezereien. Die Grundidee von damals hat sich über die Jahrhunderte bewährt: Unternehmen verkaufen Anteile an Investoren und finanzieren dadurch bestimmte Vorhaben. Im Gegenzug beteiligen sie ihre Anteilseigner am Gewinn.

Die älteste Aktie der Welt

Als älteste Aktie der Welt schaffte es der VOC-Anteilsschein sogar auf die Kinoleinwand: Um den Diebstahl einer solchen Aktie geht es im Film „Ocean’s Twelve“, in dem George Clooney und seine Komplizen ein VOC-Wertpapier stehlen.

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2021-10-27T11:01:24+02:00
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