Die wichtigsten Wertpapierarten: Vor- und Nachteile

Basis
Wer mehr aus seinem Geld machen will, als es auf dem Girokonto versauern zu lassen, hat die Qual der Wahl zwischen Aktien, Anleihen, Fonds, ETFs und Zertifikaten. Ein Überblick über die wichtigsten Wertpapierarten – und ihre Vor- und Nachteile. Von Sonja Funke

Das Angebot der Wertpapiere, die du an der Börse kaufen kannst, ist riesig: Es reicht buchstäblich von A (wie Aktie) bis Z (wie Zertifikat). Dabei entwickeln sich die verschiedenen Anlageklassen in der Regel unterschiedlich: Wenn Aktien beispielsweise stark steigen, schwächeln Anleihen oft — und umgekehrt. Wenn bei Finanzkrisen die Börsenkurse einbrechen, kann der Goldpreis boomen. Verteile dein Vermögen also auf alle Anlageklassen — so schließt du das Risiko eines Totalverlusts praktisch aus und stabilisierst deine Gesamtrendite. Im Fachjargon nennt man diese Risikostreuung „Diversifikation“. Dazu ist es nützlich zu wissen, welche Produkte du an der Börse kaufen kannst.

Die wichtigsten Wertpapierarten, die du kennen solltest

Für geduldige Anleger, die Kurstiefs aussitzen können, ist die Aktie die rentabelste Form der Geldanlage. Das ist systembedingt: Aus Geld mehr Geld machen – das geht letztendlich durch wirtschaftliche Aktivität, doch die Börsenkurse reagieren sofort auf jede Unternehmensnachricht.

Direkter ist die Anleihe – hier leiht der Anleger einem Staat oder einem Unternehmen Geld. Dafür erhält er Zinszahlungen und sein Kapital zu einem festgelegten Zeitpunkt zurück. Das Risiko für Anleger:innen beschränkt sich darauf, dass der Schuldner in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät und Zinsen oder Tilgung auszufallen drohen. Die Anleihe wird dann sofort mit einem Kursabschlag an der Börse gehandelt. Das Gleiche gilt, wenn die Zinsen steigen und neue Anleihen mehr Geld abwerfen.

Unterschiede Fonds, ETFs und Zertifikate

Wer sich die Auswahl einzelner Aktien und Anleihen selbst nicht zutraut, sollte dennoch nicht auf deren Ertragskraft verzichten. Mit Fonds überlässt man die Auswahl Profis, den Fondsmanager:innen. Hier beteiligen sich viele Anleger:innen an einem Vermögen, das Fondsmanager:innen dann innerhalb eines festgelegten Anlagespektrums investiert. Der Nachteil: Die Profis arbeiten nicht umsonst, Ausgabeaufschläge und Gebühren fressen einen Teil der Rendite auf. Günstiger ist der Weg über einen Indexfonds, einen sogenannten ETF.

Auch Zertifikate sind meist günstiger als Fonds. Sie sind allerdings de facto nicht mehr als ein Vertrag, mit dem sich der Emittent verpflichtet, das Geld zu festgelegten Konditionen zurückzuzahlen. Der Betrag hängt von der Entwicklung eines Basiswerts, etwa eines Index oder einer Aktie, ab. Gerade in Standardmärkten wie dem DAX schlägt ein ETF oder ein Indexzertifikat die Rendite von Fonds allerdings häufig. Und ist damit ein gutes Basisinvestment.

Aktie

Das wichtigste Argument für die Aktie ist ihre Ertragskraft. Langfristig schlägt ihre Rendite die aller anderen Anlageformen. Aktien sind Produktivkapital: Über Kurssteigerungen und Dividenden partizipieren Anleger:innen am Erfolg eines Unternehmens.

Es besteht kein Anspruch auf Erträge. Gerade kurzfristig kann es Kursverluste geben, bei Schieflage auch dauerhaft. Geht das Unternehmen pleite, ist der Totalverlust möglich. Als Eigenkapitalgeber stehen Aktionär:innen im Rang hinter Anleihegläubigern.

Anleihe

Im Gegensatz zur Anlage in Aktien bringen Anleihen mehr Sicherheit ins Depot. Die Zinszahlungen sind festgelegt, die Erträge daher kalkulierbar. Anleihen werden in der Regel zum Nennwert zurückgezahlt. Außerdem können sie jederzeit verkauft werden.

Du musst Zinserträge, die den Sparerfreibetrag übersteigen, versteuern. Während der Laufzeit der Anleihe kann es zu Kursverlusten kommen. Bei wirtschaftlich angeschlagenen Emittenten können Zinszahlungen oder gar die Rückzahlung ausfallen.

Fonds

Die professionelle Vermögensverwaltung für jedermann: Mit kleinen Beträgen oder wenig Kenntnissen lässt sich so ein gut diversifiziertes Depot aufbauen. Als Sondervermögen ist der Fonds vor einer Insolvenz der Fondsgesellschaft geschützt.

Die Kosten sind hoch: Ausgabeaufschlag, Managementgebühren und Erfolgsbeteiligung – Anleger:innen bezahlen für die Verwaltung ihres Vermögens. Das schmälert die Rendite. Der Erfolg hängt zudem stark von den Fähigkeiten des Fondsmanagers oder der Fondsmanagerin ab.

ETF

Ein ETF bildet einen Index wie den DAX nach. Wie Aktien können Indexfonds über die Börse gekauft und verkauft werden. Investor:innen profitieren von der Entwicklung großer Börsenindizes, ohne Einzelwerte auswählen zu müssen. Außerdem sind ETFs günstiger als Fonds.

Bei einem Kursrutsch droht die Gefahr, dass die Liquidität schwindet und der Preis des ETFs vom fairen Wert der enthaltenen Wertpapiere stark abweicht. Starke Kursverluste bei Einzelaktien (wie etwa bei der Wirecard-Pleite) können den ganzen Index nach unten ziehen.

Zertifikat

Zertifikate sind meist transparent und renditestark. Gewinne sind in jeder Marktphase möglich. Außer dem Spread, der Spanne zwischen An- und Verkaufspreis, fallen bei vielen Indexzertifikaten keine, bei anderen Arten zumindest geringere Verwaltungsgebühren an als beispielsweise bei Fonds.

Neben dem Risiko, auf den falschen Basiswert zu setzen, geht der Anleger ein Emittentenrisiko ein. Geht das Geldinstitut pleite, ist der Investor nur ein Gläubiger unter vielen. Für die Altersvorsorge eignen sich Zertifikate daher nur bedingt.

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2021-11-15T15:29:00+01:00
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